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Beratung: Lieber Mensch als Maschine


14.09.2017 10:23 Uhr

Eine aktuelle Umfrage zum Thema Finanzberatung zeigt: Die meisten Deutschen ziehen ihren Bankberater Online-Portalen vor. Anleger wünschen offensichtlich eine individuelle, fundierte Risikoanalyse. Das können Robo-Berater (noch) nicht leisten.

Geldanlage ist immer noch ein sehr persönliches Thema. Und offensichtlich werden Robo-Advisor zumindest in Deutschland mehrheitlich noch nicht als kompetente Berater wahrgenommen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Hamburger Sutor Bank in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut explorare.

Zufriedene Kunden

Glaubt man der Umfrage, genießen Finanzberater als Experten in Sachen Geldanlage weiterhin einen guten Ruf. Zwar haben 38 Prozent der Befragten noch nie einen Finanz- oder Bankberater konsultiert. Doch die übrigen 62 Prozent, die schon den Dienst eines Beraters schon einmal in Anspruch genommen haben, sind im Schnitt mehr als zufrieden mit der Qualität der Beratung: Auf einer Skala von 1 (= sehr unzufrieden) bis 6 (= sehr zufrieden) lag die Bewertung der Beratung durch die Befragten bei insgesamt 4,32.

Personality schlägt Usability

Bei Anlagegeschäften setzen die Deutschen vor allem auf die persönliche Beratung: Knapp 41 Prozent lassen sich vor einem Investment beraten und ihren Finanzexperten sämtliche Transaktionen abschließen. Für rund 23 Prozent der Befragten ist der Dienst eines Bank- oder Finanzberaters gar keine Option. Sie kümmern sich ausschließlich online um ihre Geldanlagen. Viele Anleger fahren jedoch zweigleisig: Mehr als ein Drittel der Befragten (37 Prozent) erledigen ihre Vermögensanlage sowohl mit Hilfe eines Bankberaters, aber auch eigenständig über das Internet. 

„Die Nutzung von Online-Angeboten rund um die Geldanlage dürfte in den kommenden Jahren immer selbstverständlicher werden. Doch auch in Zukunft werden Anleger mit komplexen Fragestellungen konfrontiert sein, zum Beispiel wenn Immobilien oder eine Firma ins Spiel kommen. In diesen Fällen ist eine persönliche Beratung unerlässlich“, sagt Lutz Neumann, Leiter Vermögensberatung der Sutor Bank. Online-Angebote beruhten in der Regel auf einer einfachen Kategorisierung des Anlegers anhand eines überschaubaren Fragenkatalogs zu den Sparzielen. Einer fundierten Risikoanalyse, bei der die familiäre und berufliche Situation sowie andere persönliche Besonderheiten im Detail berücksichtigt werden müssen, werde dies allerdings nicht gerecht. „Ein Vermögensberater kann im ausführlichen Gespräch auf Risiken und auch steuerliche Fallstricke hinweisen, die von Anlegern leicht übersehen werden“, so Neumann.

Die Deutschen schludern beim Vermögensaufbau

Leider kümmern sich die Deutschen zu wenig ums Geld. Wie es um das eigene Vermögen bestellt ist, beschäftigt nur wenige Anleger sehr regelmäßig: Zwar setzen sich immerhin zehn Prozent täglich mit ihrer Geldanlage auseinander, elf Prozent jede Woche sowie zwanzig Prozent einmal pro Monat. Doch insgesamt 41 Prozent beschäftigen sich entweder nur quartalsweise, halbjährlich oder ein Mal pro Jahr mit der Vermögensanlage. Rund 17 Prozent der Befragten beschäftigen sich überhaupt nicht mit dem Thema Geldanlage.

Finanzberater sind die wichtigste Informationsquelle

Ihre Informationen beziehen die Anleger aus sehr unterschiedlichen Quellen. Auch hier liegen Finanz- und Bankberater vorn, sie werden von den meisten Befragten (46 Prozent) genannt, wenn es um Auskünfte zur Geldanlage geht. Zeitungen und Zeitschriften nutzen 43 Prozent. Immerhin jeder Dritte (34 Prozent) besucht die Online-Seiten von Banken. Auch Online-Vergleichsportale (28 Prozent) gehören zu den relevanten Informationsquellen. Jeder Vierte (26 Prozent) holt Ratschläge bei Freunden ein. Bei der Glaubwürdigkeit liegen Zeitungen und Zeitschriften vor Online-Foren sowie Finanz- und Bankberatern.

Fazit: Online-Banking ist mittlerweile zwar alltäglich. Geht es um die Geldanlage, ziehen die meisten Deutschen das Vier-Augen-Gespräch dem Blick auf den Computermonitor jedoch vor.

(MvA)

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