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13.07.2018 11:06 Uhr

4. Forum internationaler Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter im Münchner Hotel „The Charles“. Dieses Jahr stand die Entwicklung an den Finanzmärkten im Banne globaler Disruptionen, Regulierungen und Innovationen im Fokus.

Am Vormittag analysierte Dr. Thomas Straubhaar, Professor für internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Uni Hamburg, den gegenwärtigen Stand der Welthandelsordnung und dessen Auswirkungen auf die Kapitalmärkte. Die Welt erlebe einen Umbruch, konstatierte Straubhaar. Die wirtschaftspolitische Tendenz weise zurück in Richtung Nationalstaat, so der Ökonom. Er äußerte Verständnis für die US-Wirtschaftspolitik. Zwar bestehe kein Zweifel daran, dass Trump „wie eine Elefant im Porzellanladen“ agiere, dennoch sei die Kritik an Europa und China in Teilen berechtigt. Die Wirtschaftspolitik von EZB und chinesischer Notenbank nutze die Geldentwertung der heimischen Währung, um mit dem „Holzhammer“ Handelspolitik zu betreiben. „Über die Währungsabwertung gegenüber dem US-Dollar verbilligt eine Volkswirtschaft alle Waren, die sie vertreibt“, erläuterte Straubhaar. Die Strafzölle, die Trump erhebe, wirkten dagegen wie „kleine Nadelstiche“. Wie es weiter gehe, sei allerdings nur schwer abzuschätzen. Anleger sollten sich auf volatile Zeiten einstellen, es werde schwieriger, so der Schweizer Ökonom, Investments auf lange Sicht zu planen.

Konjunktur 2018 kein Thema

In der darauf folgenden Podiumsdiskussion erörterten Markus Peter von Alliance Bernstein, Maya Bhandari von Columbia Threadneedles Investments, Ralph Geiger von Credit Suisse, Walter Liebe von Pictet Asset Management, sowie Dr. Dirk Hoffmann-Becking von Morgan Stanley unter der Moderation von Dr. Martin Hüfner, welche Auswirkungen ein möglicher Handelskrieg auf die konjunkturelle Entwicklung Deutschland und Europa haben könnte.

Markus Peters, Senior Portfolio Manager bei Alliance Bernstein, sieht vorerst keine konjunkturellen Wolken auf Europa zukommen: „Was Europa auf der Exportseite verliert, macht die ansteigende Binnenkonjunktur wieder wett“. Anders bewertet Peters, die Situation in den USA. Dort habe der Konjunkturzyklus seinen Höhepunkt bereits überschritten. Wie es weiter geht, sei allerdings nicht exakt abzuschätzen: „Die weitere Entwicklung hängt von der Zinspolitik der Fed ab“, schätzt Peters. Dennoch ist der Fixed-Income Experte für die kommenden zwei Jahre zuversichtlich. Das Weltwirtschaftswachstum ist weiterhin intakt, so Peters.


Podiumsdiskussion Euro FundForum München
Podiumsdiskussion Euro FundForum München

Konzentrierte Diskussion auf dem Podium: v.l.n.r.: Markus Peters, Maya Bhandari, Ralph Geiger, Martin Hüfner, Dirk Hoffmann-Becking, Walter Liebe

Auch Walter Liebe, Senior Investment Advisor bei Pictet AM, mahnt zur Ruhe: „Die Stimmung an den Kapitalmärkten ist angesichts der politischen Querelen stabil“. Dies werde auf Sicht auch so bleiben, da „Trump bisher noch immer zur Räson“ gekommen sei. Davon unabhängig, schätzt der Pictet-Experte, dass sich das konjunkturelle Umfeld verändern werde „Wir werden signifikante Korrekturen erleben“, so Liebe, die Konjunktur sei dabei, umzuschwenken.

Hochphase bei Unternehmen vorbei 

Vorsichtig äußerte sich Dr. Dirk Hoffmann-Becking zu den Aussichten. Seiner Ansicht nach wird der Protektionismus kaum Einfluss auf die Volkswirtschaften haben. Dennoch prognostiziert Hoffmann-Becking eine potentiell rückläufige Entwicklung bei den Unternehmensgewinnen. Die Gewinnmargen seien seit Jahren auf einem Höchststand, sollte sich die Konjunktur weiter abschwächen erwarte er innerhalb der nächsten 24 Monate einen deutlichen Fallout: „Das ist nur eine Frage der Zeit“, so Hoffmann-Becking.

Ralph Geiger, Bondexperte bei Credit Suisse AM, hält einen Handelskrieg ebenfalls für keine ausgemachte Sache. Dennoch erwartet er „gravierende Veränderungen“ der Weltwirtschaft. Europa müsse sich zusammenraufen, um nicht den Anschluss zu verlieren und sich behaupten so Geiger.

Maya Bhandari, Fondsmanagerin bei Columbia Threadneedle, geht nicht davon aus, dass die Auswirkungen des Konjunkturabschwungs noch in diesem Jahr eingepreist würden. In Europa werde die EZB die Wirtschaft bei Bedarf weiterhin unterstützen, so Bhandari. Anders wertet sie die Handelsbeschränkungen, mit denen sich die USA, Europa und China aktuell begegnen: „Der Protektionismus wird sich negativ auf die Unternehmensgewinne auswirken“, so Bhandari. Die Folgen für den Anleger seien aber schwer abzusehen, denn „Handelskriege lassen sich schwer einpreisen“, so die Fondsmanagerin.

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