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Jens Ehrhardt: Börsenrally nicht unbedingt vorbei


20.04.2018 10:52 Uhr

Vermögensverwalter Jens Ehrhardt spricht in €uro über das lange Leben des Bullenmarktes und aktuelle Chancen. FundResearch bringt Auszüge des Interviews.

Zuletzt gab es kräftige Einbrüche an der Börse. Wo sehen Sie die Ursachen?
Ehrhardt: Meiner Meinung nach war es eine ganz normale Gegenreaktion auf den überbordenden Optimismus der Anleger am Anfang des Jahres. So hatten US-Aktienfonds so starke Zuflüsse wie lange nicht mehr. 

Droht nun das Ende des Bullenmarktes?
Das glaube ich nicht. Klar ist, dass wir mehr Schwankungen als bisher erleben werde. Ich bin zwar nicht mehr ganz so optimistisch wie noch vor einem Jahr, denke aber, das die Kurse nach den Verlusten zuletzt am Ende 2018 etwas höher liegen als heute.

Was macht Sie so zuversichtlich?
Meine Erfahrung lehrt mich, dass große Trends wie die Börsenrally der vergangenen Jahre meist länger anhalten, als viele Anleger erwarten. Aber auch das weltwirtschaftliche Wachstum ist ja weiterhin recht ordentlich. Und die richtige Baissephasen haben sich immer erst dann eingestellt, nachdem die Notenbanken den Geldhahn zuvor stark zugedreht haben.

Aber die US-Notenbank hat schon sechs Mal die Zinsen angehoben und wird dies 2018 wohl noch mindestens zweimal tun.
Sicher, die Fed wird aber nicht 17 Mal wie zwischen 2004 und 2006 aktiv werden. Infolgedessen kam es dann Mitte 2007 zum Crash. Für so eine aggressive Vorgehensweise ist heute aber der Inflationsdruck in den USA zu gering und der wirtschaftliche Aufschwung nicht so stark ausgeprägt wie in der Vergangenheit. Entsprechend vorsichtig dürfte die Fed daher agieren.

Was ist mit der EZB?
Mario Draghi kann es sich erst recht nicht leisten, zu stark an der Zinsschraube zu drehen, allein schon wegen Italien. Dort haben europakritische Parteien bei den Parlamentswahlen 70 Prozent der Stimmen geholt. Meine feste Meinung ist, dass am Ende im Rom die Radikalen zusammengehen und eine radikale Politik machen. In diesem Umfeld kann Draghi daher die Lage kaum stabilisieren.

Ab wann wird der monetäre Gegenwind für die Börsen zu heftig?
Das Schöne an den monetären Indikatoren ist, dass sie sicher wirken, aber erst mit Verzögerung. Deshalb kann ich mir jetzt zumindest noch keine richtige Baisse vorstellen. Insbesondere wenn man sich die weiterhin hohen Renditedifferenzen ansieht. Für deutsche Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit gibt es heute gerade mal 0,5 Prozent Rendite, bei Dividendenpapieren gibt es rund 3,5 Prozent per annum. Erst wenn sich diese Werte annähern, ist Vorsicht angebracht.

Das komplette Interview erscheint in Magazin €uro, das seit gestern an den Kiosken zu haben ist. Ehrhardt beschreibt darin auch die von ihm favorisierten Märkte und Branchen.

in Kooperation mit
€uro FundResearch

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