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12.12.2018 15:29 Uhr

Seit der Finanzkrise hat sich das Volumen der Anleihen am Markt für Unternehmensanleihen mehr als verdoppelt. Jetzt wetten immer mehr Renten-Investoren gegen Fonds, die in Junk-Bonds investieren.

Die Kapitalmärkte sind als Konjunktur-Indikator außerordentlich effizient: Marktindizes haben in der Vergangenheit neun von fünf Wirtschaftskrisen vorhergesagt, so ein Bonmot des Ökonomen Paul Samuelson. Ein Markt, der aktuell unter verschärfter Beobachtung steht, ist der Bondmarkt, und hier wiederum der US-amerikanische, speziell der Markt für Unternehmensanleihen zweifelhafter Güte: High Yield Corporate Debt, auch Junk-Bonds genannt. Zwar hat dieses Segment nur etwa ein Fünftel des Volumens vos Investmentgrade-Markts, doch aufgrund des höheren Risikos sind Anleger hier wesentlich hellhöriger.

Im laufenden Jahr haben High Yields eigentlich nicht so schlecht performt wie Investmentgrade-Anleihen. Seit Jahresbeginn verlor der iShares High Yield Corporate Bond ETF 4,95%, der ETF auf Investment Grades desselben Emittenten aber 6,89%. Dieser Trend hat sich jedoch im Dezember umgekehrt. Seither konnten die höherwertigen Anleihen 23 Basispunkte zulegen, die Ramschanleihen verloren hingegen 95 Basispunkte.

ETFs haben sich für Anleihe-Investoren zum Mittel der Wahl entwickelt: Wie das Research-Unternehmen Greenwich Associates herausgefunden hat, haben institutionelle Investoren den Anteil der passiven Anlageprodukte in ihren Fixed-Income-Portfolios mittlerweile auf 18 Prozent ausgebaut. Das liegt unter anderem daran, dass sich die Kosten für das physische Vorhalten der Anleihen durch gestiegene Kapitalanforderungen bei den Market Makern erhöht haben. Seit 2008 ist der Bestand bei den Primary Dealern von 240 auf unter 50 Milliarden US$ gefallen. Gleichzeitig hat sich der Markt für  US-Unternehmensanleihen von zwei auf fast sechs Billionen US$ vergrößert. ETFs ermöglichen den institutionellen Anlegern, schneller und günstiger am Markt zu agieren. Das Net Expense Ratio eines großen Bond-ETFs liegt bei 0,05 % – bei einem Wertpapierbestand von teilweise über 6.000 Titeln. Zu diesen Transaktionskosten kann ein einzelner Player meist nicht handeln.

In jüngster Zeit haben sich allerdings die Befürchtungen vermehrt, dass es am Markt für Unternehmensanleihen zu einer Blase gekommen ist. Die zunehmende Nervosität zeigt sich vor allem an der Zahl der Fondsanteile der Hochzins-ETFs, die geshortet werden. Anfang Januar lag das Volumen der Leerverkäufe bei den zwei größten Junk-Bond-ETFs noch bei 4,3 Milliarden US$, Anfang Dezember waren es bereits 9,9 Milliarden US$, meldet IHS Markit. Beim größten ETF in diesem Segment werden derzeit fast 60 Prozent der Anteile geshortet – im September waren es noch 35 Prozent. Das hat zwischenzeitlich dazu geführt, dass die Nachfrage die verfügbaren Anteile überstieg und der Emittent zwei Milliarden neue Anteile ausgeben musste, um die Nachfrage der Leerverkäufer zu befriedigen.

Aber nicht nur die Ramsch-Anleihen machen den Anlegern sorgen: Vor der Finanzkrise lag das Marktvolumen der Unternehmensanleihen mit BBB-Rating bei 35 Prozent, heute sind es über 49. Sollten diese während der nächsten Krise abgewertet werden – und vom BBB- bis zum C-Rating ist es kein weiter Weg – dann würde der US-Kreditmarkt vor einer ernsten Herausforderung stehen.

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