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22.08.2019 15:16 Uhr

Die Kurse argentinischer Staatsanleihen befinden sich im freien Fall: Investoren scheint jeder Preis recht, um die Papiere loszuwerden. Grund ist die Schlappe des wirtschaftsliberalen Präsidenten Mauricio Macri bei den Vorwahlen. Finanzexperten mahnen zur Ruhe.

Ist Argentinien auf dem Weg in die Staatspleite? Blickt man auf die Kurse argentinischer Staatsbonds, scheinen Investoren fest davon überzeugt. Fast alle Papiere handeln mittlerweile zwischen 40 und 50 Cent je US-Dollar Nennwert und damit auf Ramschniveau. „Das deutet darauf hin, dass diejenigen, die jetzt verkaufen, einen Zahlungsausfall als unvermeidlich und unmittelbar bevorstehend ansehen“, sagt Luc D’hooge, Leiter der Emerging-Markets-Sparte beim Fondsanbieter Vontobel AM. Auslöser der Panik an den Märkten war die überraschende Niederlage des wirtschaftsliberalen Präsidenten Mauricio Macri bei den Vorwahlen Mitte August. Der Oppositionskandidat Alberto Fernández, mit der Ex-Präsidentin Cristina Kirchner als Vizekandidatin, erhielt 47,6 Prozent der Stimmen. Macri kam lediglich auf 32 Prozent.

Das Ergebnis hat die Finanzmärkte in Alarmstimmung versetzt und die Angst vor einer weiteren Staatspleite des südamerikanischen Landes geschürt. Am Devisenmarkt brach der Kurs beim argentinischen Peso dramatisch ein. Gegenüber dem US-Dollar verlor die Landeswährung knapp ein Viertel ihres Wertes und fiel zeitweise auf ein Rekordtief von knapp 62 Peso je US-Dollar. Auch der Anleihemarkt reagierte prompt: In US-Dollar notierte Staatsbonds mit längeren Laufzeiten verzeichneten im Schnitt Verluste von etwa 25 Prozent. Bei kürzeren Laufzeiten brachen die Kurse um rund 35 Prozent ein. Noch immer haben sich die Märkte nicht erholt.

Bei der Geldanlage ist Angst ein schlechter Berater. Marktexperten warnen Investoren deshalb vor vorschnellen Entscheidungen. Gerade bei Staatsanleihen, die in Lokalwährung notieren, sehen sie weiterhin Chancen für Anleger. „Wir glauben, dass Argentinien wenig Interesse daran haben wird, seinen Zahlungsverpflichtungen in Lokalwährung nicht nachzukommen“, sagt Vontobel-Experte D’hooge. Lokale inflationsgeschützte Anleihen würden vor allem von der staatlichen Sozialversicherungsinstitution (ANSES) und den lokalen Banken gehalten. Es gebe aktuell keinen Grund für die Regierung, ihrer eigenen Investorenbasis zu schaden. Er rät deshalb nicht zum Verkauf und hält die Staatspapiere im Gegenteil auch für ausländische Investoren für attraktiv.

Nur für Mutige: Aktuelle Renditen argentinischer Staatsanleihen

 

Rendite in %

21.08.2019

21.07.2019

21.08.2018

Argentinien 1-Jahr

31,05

31,30

39,39

Argentinien 3-Jahre

47,84

42,38

41,71

Argentinien 5 Jahre

24,55

23,86

24,68

Argentinien 9 Jahre

25,05

24,51

18,15

 

Quelle: investing.com

Gleichwohl: Mit Turbulenzen müssen Anleger in Argentinien weiterhin rechnen. Zwar hat die Regierung Schritte angekündigt, um die Märkte und den Wechselkurs zu stabilisieren. Das sei jedoch eine schwierige Aufgabe, warnt Anthony Kettle, Partner und Fondsmanager bei Bluebay Asset Management. Er hält es für unwahrscheinlich, dass sich die Opposition vor den Wahlen auf eine politische Linie festlegen wird. „Allerdings besteht eine gewisse Motivation, eine Wirtschaft zu übernehmen, die unter einer neuen Regierung die Chance auf Erholung hat“, sagt Kettle.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Entwicklung an den Anleihemärkten ist der Besuch von Vertretern des Internationalen Währungsfonds (IWF), der nach Angaben des IWF-Sprechers Gerry Rice „bald“ geplant ist. Dann entscheidet sich, ob die Institution dem südamerikanischen Land ein weiteres Mal Geld leihen wird. „Das Ergebnis dieser Überprüfung dürfte für die kurzfristige Entwicklung der Anleihen entscheidend sein“, sagt Kettle.

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