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Mifid II: Fehlende Daten gefährden Fondsabsatz


11.12.2017 16:11 Uhr

Kurz vor Ende der Frist fehlen noch immer wichtige Daten zu Fonds, die Assetmanager laut den Mifid-II-Regularien an den Vertrieb übermitteln müssen. Das gefährdet den Absatz der betroffenen Produkte.

Wenn am 3. Januar die EU-Richtlinie 2014/65/EU, kurz MiFID II genannt, in Kraft tritt, sind noch längst nicht alle Assetmanager vorbereitet, berichtet die Financial Times: Den Fondsgesellschaften drohen empfindliche Geschäftseinbußen, wenn sie nicht schleunigst geforderte Informationen zu Fondskosten, Zielmärkten und Zielkunden einreichen. Diese Daten sind laut Mifid-II zwingende Voraussetzung für den Vertrieb von Investmentfonds und strukturierten Produkten ab dem nächsten Jahr.

Die Fondsgesellschaften müssen u.a. offenlegen, ob ein Produkt für Privat- oder Geschäftskunden konzipiert ist – oder für sogenannte Eligible Counterparties, d.h. Vertreter von Banken, Investmentfirmen, Versicherungen u.ä.. Ferner ist der erforderliche Wissensstand, den ein Investor für das jeweilige Produkt haben muss, zu spezifizieren. Und schließlich muss angegeben werden, wieweit der Zielkunde Verluste verkraften kann und wie risikotolerant er bei seinen Anlageentscheidungen ist.

Nun haben sich mehrere Vertriebsorganisationen besorgt gezeigt und Assetmanager aufgefordert, die fehlenden Informationen schnellstmöglich einzureichen. „Die Assetmanager wissen, dass sie Gefahr laufen, Geschäft zu verlieren. Das sollte eigentlich ein starker Anreiz sein, die Deadline einzuhalten“, hofft Jaime Perez-Maura, Chef des globalen Business Development bei der Allfunds Bank, einem der größten europäischen Fondsvertriebe. Die Mehrheit der 550 Fondsmanager, mit denen Allfunds Geschäfte macht, seien jedoch in Kenntnis, dass das Verfehlen der Deadline bedeute, dass ihre Produkte nicht mehr vertrieben werden könnten.

Das Problem liegt wohl vor allem bei den kleineren Fondsgesellschaften; laut Joanne Gilbert, Vertriebschef bei Aberdeen Standard Investments, sind die Assetmanager großer Fonds “im Großen und Ganzen zuversichtlich”, ihre Daten rechtzeitig abzuliefern. Seiner Meinung nach herrscht derzeit noch Ungewissheit, ob die Fondsplattformen Produkte aus ihrem Angebot nehmen, von denen die erforderlichen Daten fehlen – und was das für die Kunden bedeuten könnte.

Recht pragmatisch sieht Matthew Newnham, Chef des Business Development bei MFEX Mutual Funds Exchange, die Sachlage: „Mifid II ist Gesetz. Wer es versäumt, die geforderten Daten zu veröffentlichen, begeht Rechtsbruch.” Einige Vertriebe, so Newnham, könnten sich deshalb gezwungen sehen, Produkte aus dem Angebot zu nehmen. Das Risiko dafür hält Steve Bennett, Vorstand der Financial Inclusion Data Working Group, für “nicht unerheblich”.

Um die Informationen zu übermitteln, bietet die Vereinigung der Europäischen Fonds- und Assetmanager EFAMA das sogenannte European Mifid-Template. In Deutschland hat WM Datenservice ein entsprechendes Formular im Angebot. In der Branche gibt es aber offensichtlich keine Einigkeit, in welcher Form die Informationen tatsächlich eingereicht werden sollen – was dazu führt, dass teilweise unvollständige Daten übermittelt werden.

Aber selbst wenn die Daten zeitnah abgeliefert werden, sollte laut Richard Lepere von der Luxemburger Vertriebsplattform Fund Channel der Zeitaufwand für das Verarbeiten und Prüfen der Daten nicht unterschätzt werden: „Für die Vertriebe in Europa ist das eine echte Herausforderung, rechtzeitig fertig zu werden, wenn man sich anschaut, wie langsam die fehlenden Daten eintrudeln.“

Vor einer besonderen Herausforderung befindet sich derweil die Branche in Norwegen. Dort wurde erst in der vergangenen Woche beschlossen, dass die Mifid-Regularien schon am 1. Januar umgesetzt werden – und nicht erst im Sommer 2018, wie ursprünglich geplant. „Das war für die Norweger eine echte Überraschung“, kommentiert MFEX-Experte Newnham trocken.

(TG)

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